Zu traditioneller Vormittagsstunde stand das erste zweier Endspiele für uns heute auf dem Programm. Die klimatischen Bedingungen waren noch nicht weitreichend hinderlich, um den Gegner nervös zu machen, vielmehr die Anwesenheit von Michael Peters, welcher in aktiver Ausübung des Tischtennissports mit Spielbekleidung die Kinnladen der Gäste relaxieren ließ!
Dank Peter Kuchling konnten wir uns in der heißen Saisonphase über die Unterstützung einer kleinen Tischtennislegende der jüngeren Geschichte unseres Bundeslandes freuen. Das bekundeten auch die Stralsunder, in Respekt der Tatsache, dass das Wohl der Tischtennisgemeinschaftsmitglieder mehr wiegt als sportlicher Erfolg oder Misserfolg. Nichtsdestotrotz musste die Gleichung „Peters = Punkte“ aber erst bewiesen werden. Mit folgenden Aufstellungen gingen beide Teams zuwerke:
TSV Rostock Süd 4: Scheel, Schweitzer, Creuznacher, Krüger, Wolf, Peters
TSV 1860 Stralsund: Schubert, Wendel, Lemke, Habedank, Tiedemann, Sack
Der Auftakt begann verheißungsvoll. Mit 2:1 gingen wir aus den Doppeln hervor. Dabei hatten Creuznacher / Wolf auch den Sieg gegen Schubert / Wendel auf ihren Schlägern. Diesem am nächsten waren sie im vierten Satz. Die Chance zum Matchgewinn bekamen sie indes nicht, trotz der Tatsache, dass die nach 6:10 noch einmal zum 10:10 ausgleichen konnten. Im fünften Satz zogen die Stralsunder schnell davon. Die Aufholjagd der Rostocker wurde früh gestoppt (7, -4, 9, -10, -8). Deutlich besser machten es Scheel / Schweitzer. Nach zuletzt, hinrundenübergreifend, drei Niederlagen in Folge „zu Buche“ standen, fuhren sie heute wieder einen Sieg ein. Nur im dritten Satz gewährten sie sich eine Auszeit, machten dann aber schnell alles klar (9, 4, -4, 3). Mit viel Spannung wurde der erste Punktspielauftritt Peters nach drei Jahren Abstinenz erwartet. An der Seite von Krüger hatte er es mit Habedank / Tiedemann zu tun. Der Einstand gelang und Satz 1 wurde den Rostockern zugeschrieben. Verständlicherweise war die Harmonie nicht so tiefgreifend, wie bei einem alten Ehepaar, das sich nicht gerade streitet, aber die Mischung funktionierte. Dennoch gaben sich Habedank / Tiedemann nicht so einfach geschlagen, gewannen so auch den zweiten Satz. Dominanz fast verschludert, aber noch rechtzeitig den Dritten gewonnen und im Vierten dann die Geschenke der Gäste angenommen kann resümierend festgehalten werden. 3:1 für Krüger / Peters (9, -11, 8, 10).
Scheel gegen Wendel ist eine Kurzgeschichte. Einen Satz überließ der Stralsunder, der noch vor allen anderen Rostockern und Stralsundern in der Halle war, unserer Nummer 1. Dieser Punkt war nicht zwingend einkalkuliert gewesen, zumindest von uns (-6, 8, -6, -5). Mehr Hoffnung hatten wir bei Schweitzer gegen Schubert und wurden auch zunächst positiv bestätigt. Zwei Kämpfer vor dem Herrn lieferten sich ansehnliche Ballwechsel, in denen man aber die mangelnde Trainingszeiten-wahrnehmung Schweitzers in den letzten Wochen anmerkte. Knackpunkt war der dritte Satz, den sich Schubert in der Verlängerung sicherte und mit 2:1 in den Sätzen in Führung ging. Schweitzer ersuchte die Wende, sah aber nur noch die Rücklichter und auch dieser Punkt ging an Stralsund (8, -8, -10, -4).
Mehr Punktpflicht bestand für die Jungs aus dem mittleren und unteren Paarkreuz. Creuznacher und Krüger wollten dieser Pflicht gleich nachkommen. Zwei Spiele. Zweimal fünf Sätze. Zweimal holte Sieg für Süd. Creuznacher „nutzte“ gegen Habedank den ersten Satz noch zur Eingewöhnung. Eigentlich dauerte sie bis zum allerletzten Ballwechsel. Dennoch schaffte er die zwei Satzgewinne Habedanks zu kontern. Im fünften Satz überließ er zeitweilig dem Gegner das aktivere Handeln und fuhr gut damit. Typisch für so ein schwieriges Spiel, gewann er irgendwie mit 11:9 auf der Zielgeraden (-6, 5, -8, 3, 9). Krüger versuchte im ersten Satz in Kooperation mit Lemke einen neuen Punktrekord in einem Satz für ein offizielles Match aufzustellen. Bei 18:16 für Lemke hatten sie aber allen Enthusiasmus an einen Guinnessbucheintrag fallen gelassen. Danach dominierte Krüger zwei Sätze lang. Am Ende des Dritten bahnte sich das an, was im Vierten Realität wurde. Lemke punktete beständiger. Mit erstarkter Besinnung holte sich Krüger letztlich den Sieg (-16, 3, 9, -7, 8).
Wolf machte mit Sack in den ersten beiden Sätzen kurzen Prozess, merkte aber zum Ende des Zweiten bereits, dass die Gegenwehr des Ältesten in der Halle zunehmen würde. Auch Wolf war irgendwie froh, dass nach dem 11:9 im dritten Satz das Spiel vorbei war (3, 5, 9). Dann war der erste Einzel-Auftritt Peters nicht mehr zu verhindern. Satz 1 klaute er Tiedemann. Mehr war aber nicht drin, zu sicher das Spiel des Rentners für Peters, der noch nicht die Sicherheit alter Tage hat und auch nicht haben konnte. Kleine Hoffnungsschimmer würgte Tiedemann schnell wieder ab verkürzte für Stralsund auf 4:5 (11, -8, -7, -9).
Von allen neun wichtigen Punkten gegen 1860 Stralsund war Scheel der Erste, der einen Weiteren in der zweiten Einzelrunde beisteuerte. Nach dem Raketestart kam der Sturzflug, gefolgt von der Nervenprobe und einer abrundenden Gala. So in etwa lässt sich das Spiel verbalisieren (7, -7, 12, 1). Schweitzer stand gegen Wendel ebenso wie zuvor Scheel nicht auf der Gewinnerseite. Trotz größter Bemühungen, hielt der Stralsunder seine Mannen im Rennen (-3, -9, -7).
Creuznachers letztes Spiel gegen Lemke ist schon länger her, war aber auch nicht besonders erfolgreich. Das musste es aber heute sein. Satz 1 ging schnell flöten, weil der Angriff stotterte. Besserung trat dann in den Folgesätzen zu Tage. Sie hielt bis zum Ende des vierten Satzes. Wieder hatte der Rostocker mit 11:9 ein Match beendet, diesmal aber schon in vier statt fünf Sätzen (-6, 6, 4, 9). Krüger kämpfte sich mit dem unangenehmen Stil Habedanks ab. Der dankte ob der Probleme Krügers, was uns verständlicherweise nicht erfreute, aber nicht zu ändern war. Die letzten Hoffnungen auf einen zweiten Fünfsatzerfolg Krügers machte Habedank „rechtzeitig“ zunichte (-6, 11, -8, -9).
Hatte Wolf gegen Sack den Stralsunder erst spät ins Spiel kommen lassen, so war er es jetzt, jener welcher kaum ins Spiel gelassen wurde. Tiedemanns Konter-Schuss-Block-Spiel erwies sich als zu unpassend für Wolf, welcher nicht nur seinen ersten Satz nach 16 gewonnenen in Folge verlor, sondern auch sein erstes Spiel in der Rückrunde nach einer vorigen 6:0-Serie! Die Möglichkeiten, die Geschichte dieses Spiels umzuschreiben hatte er im dritten Satz, der erst bei 15:13 entschieden wurde, aber die Änderungswünsche Wolfs wurden mit einem kurzen und holprigen Statement des Verlagslektorats: „Danke für Ihre Einsendung, aber momentan besteht kein Bedarf an Ihrer Geschichte. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg im weiteren Berufsleben“ abgewürgt (-6, -5, -13). Peters war wieder an der Reihe und hatte gegen Sack selten Probleme. Sein Dreierpasch mit Fünfen (5, 5, 5) brachte das Lächeln zurück, bei Peters und bei uns.
Die Einserdoppel durften sich nun einspielen. Unsere bisherige Abschlussdoppelbilanz war bescheiden, um nicht zu sagen miserabel. Keines der drei bislang gespielten konnten wir gewinnen! In den ersten beiden Sätzen machten Scheel / Schweitzer sehr vieles richtig, ließen Schubert / Wendel kaum zur Entfaltung kommen. Schlecht getimte Kunstpausen verhalfen den Stralsundern allerdings zum Satzausgleich. Letztlich stellten die Gastgeber eine Großzahl der kleinen Fehler ab und überzeugten wieder mit der Dominanz der Sätze 1 und 2. Die Freude über die zwei Punkte war überaus groß und sollte mit ins nächste Spiel gegen Medizin Stralsund genommen werden. Gleichsam war es der erste Sieg für Süd 4 gegen die Sechziger! Für 1860 Stralsund bedeutete diese Niederlage gegen uns und der wohlmöglichen gegen unsere Dritte, dass sie noch auf den letzten Platz (Relegation) durchgereicht werden könnten.
Text: Ulrich Creuznacher
Fotos: keine
Tabelle und Spielprotokoll sind hier versteckt.


