Der Klassenerhalt war am letzten Wochenende perfekt gemacht worden, sodass heute die Kür auf dem Programm stand. Bei subtropischen Bedingungen in der Süd-Halle und unter ständiger Rotorbeschallung der Polizeihubschrauber (Hansa spielte gegen Dresden) mussten wir auf die Stammvier, Krüger (Krankheit), die Stammfünf, Schacht (Trainingsrückstand) und die Stammsechs, Bluhm (Arbeit), verzichten.
Auch unser „Goldjunge“ der Stralsundspiele, Peters, stand uns nicht zur Verfügung. Die Gäste traten annähernd in bestmöglichster Besetzung an die Tische, sodass sich folgende Aufstellungen ergaben:TSV Rostock Süd 4: Scheel, Schweitzer, Creuznacher, Pagel, Wolf, Tesing
SV Grün-Weiß Ferdinandshof: Woinowsky, Segebrecht, Lewerentz, He., Böhm, Lewerentz, Ha., Kleemann
Die Doppel sind nicht oft die Stärke der Ferdinandshofer, heute waren sie es aber schon. Zwei der drei Eingangsdoppel gingen an sie. Darunter war auch die sehr klare Niederlage von Scheel / Schweitzer gegen Woinowsky / Kleemann, die zwar selten in dieser Saison zusammen gespielt, aber dafür bislang auch alles gewonnen hatten (jetzt 3:0). Treibende Kraft war Woinowsky. Unsere Jungs waren nicht präsent genug, um ihm Einhalt zu gebieten (-5, -7, -5). Creuznacher / Tesing harmonierten in der Vergangenheit gut und zeigten auch heute, dass sie eine Paarung mit Zukunft sein können. Den ersten Satz ließen sie sich noch klauen, waren dann aber hellwach. Vor allem die Aufschläge Tesings hatten es den Gästen „angetan“. Einfache Punkte brachten die Rostocker immer wieder in gute Ausgangspositionen. Bis auf den dritten Satz war dieses Match klar von Creuznacher / Tesing bestimmt (-9, 3, 9, 4). Mit Pagel / Wolf an Doppel 3 stellten wir die insgesamt 17. Doppelpaarung der Saison auf! Satz 1 ging sogar an unser wenig eingespieltes Duo, Satz 2 aber dann schon an die Gäste. Eng wurde es im dritten Satz, der leider an Ferdinandshof ging. Die Hürde wurde somit immer höher und war am Ende zu hoch (9, -6, -10, -8).
Scheel eröffnete die erste Einzelrunde gegen Segebrecht mit einem Feuerwerk an Vorhand- und Rückhandschüssen. Der Gast tat sein Übriges dazu, dass der Satz schnell beendet war. Es folgte jedoch eine Leistungssteigerung auf Seiten Segebrechts. Scheel dagegen ließ den Willen vermissen das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Er war zwar immer mittendrin, am Ende aber ohne Satzgewinn. Da sich dieses Szenario über alle drei folgenden Sätze durchzog, mussten wir einen eingeplanten Punkt an die Gäste abtreten. Schweitzer stand im Auftaktsatz gegen Woinowsky auf total verlorenem Posten. Er traf gar nichts. Dass er risikoreich spielen musste, war uns klar und auch im Zweiten sah es zunächst nach einer Packung für unseren kleinen Trainingsmuffel aus. Woinowsky ließ es aber schleifen und Schweitzer holte sich das Selbstvertrauen. Die Ballwechsel wurden länger und ansehnlicher. Auch wenn der Satz noch knapp verloren ging (9:11), war Schweitzer auf einem guten Weg. Diesen Weg beschritt er dann die folgenden zwei Sätze sehr erfolgreich und schaffte den 2:2-Satzausgleich. Kribbelig wurde es im Entscheidungssatz. Ein langer Return Woinowskys setzte Schweitzer unter Druck, der den Topspin verzog (-2, -9, 6, 9, -9). Schade.
Damit wurde aus dem 1:2 ruckzuck ein 1:4 und Creuznacher (gegen Böhm) sowie Pagel (gegen Lewerentz, He.) waren gefragt. Creuznacher legte los wie die Feuerwehr, vergaß dann aber im Zweiten den Brand auch wirklich zu löschen. Das tat er dann im Dritten. Im Vierten war die Einsatzzentrale mehreren Jugendstreichen und daraus resultierenden Fehlalarmen aufgesessen, aber die Rufnummerrückverfolgung machte diesem Ulk irgendwann ein Ende. Creuznacher setzte sich nicht glanzvoll, aber immerhin erfolgreich, in vier Sätzen durch (2, -10, 5, -11). Pagel kämpfte mit dem jüngeren der beiden angetretenen Lewerentz, Henry, war aber nur im zweiten Satz ebenbürtig. Die Satzergebnisse mit 5, 6 Punkten Unterschied sind deutlich und sprechen für sich. Jugend triumphierte über Erfahrung (-6, 9, -5, -5).
Ferdinandshof konnte den Vorsprung halten (5:2). Tesing machte es gegen Lewerentz, Ha. zwar leidlich spannend, war aber, wenn man den subjektiven Eindrücken der Mannschaftskollegen Glauben schenken möchte, zu jedem Zeitpunkt Herr der Lage. Die Sätze 2 und 3 gingen beide in die Verlängerung und der Aufschlag war hier wieder das Ass im Ärmel Tesings (8, 12, 10). Es lohnt sich also auch ein guter Aufschläger zu sein. Wolf hatte es mit Kleemann zu tun und startete bestens in den ersten Satz. Doch trotz der 6:2-Führung blieb der Satzgewinn aus. Kleemann hatte damit nicht nur den ersten Satz für sich entschieden, er hatte jetzt auch mehr vom Spiel. Es zeigte sich zunehmend, dass die beidseitige Aktivität mit Vorhand und Rückhand den Ausschlag pro Kleemann sollte (-10, -6, -7).
Eigentlich wollten wir uns gut in die Sommerpause verabschieden, aber der Zwischenstand von 3:6 war ernüchternd, zumal wir jetzt im oberen Paarkreuz schwerlich an Punkte glauben wollten. Scheel (gegen Woinowsky) und Schweitzer (gegen Segebrecht) waren erfreulicherweise einer ganz anderen Meinung. Beide setzten ihren Gegner durch konsequente Offensivaktionen zu und führten in ihren Matches nach zwei gespielten Sätzen mit 2:0. Dabei musste Scheel wieder gute Nerven beweisen. Die hätte er sich jedoch schonen können, hätte der den Auftaktsatz früher zugemacht. Schweitzer knüpfte an die gute Performance gegen Woinowsky an und schickte Segebrecht ein ums andere Mal zum Bälle sammeln. Auch Scheel fand gefallen am „Balljungen“ Woinowsky. Wie abgesprochen, verkürzten beide Ferdinandshofer zum 1:2, aber die Rostocker blieben unbeirrt, vor allem Scheel hatte jetzt wieder das Feuer in den Augen, das er brauchte. Abermals ließ er eine hohe Führung kurz vor Satzende links liegen, brachte das Spiel aber doch noch nach Hause. Starke Leistung. Absolut verdient (11, 5, -8, 11). Verdient war auch Schweitzers Viersatzsieg nur wenige Minuten später. Funktionierte es aus dem Spiel heraus nicht, war der Aufschlag zur Stelle. Gut gemacht (8, 8, -5, 8).
Creuznacher traf nun auf Lewerentz, He. und Pagel konsequenterweise auf Böhm. Wieder hatte Creuznacher einen guten Start, schwächelte aber zum Satzende hin. Dennoch holte er sich Satz 1, war dann aber neben sich und musste den Satzausgleich hinnehmen. Die folgenden zwei Sätze verliefen nach demselben Schema und so kam der Entscheidungssatz zum Tragen. Hier hatte der Ferdinandshofer das Glück auf seiner Seite. Mit Glück und Pech kann der Tischtennisspieler im Regelfall umgehen, wenn es jedoch zu stark unidirektional proportioniert ist, wird es schwierig, einerseits zu gewinnen und andererseits ruhig zu bleiben. Beides traf für Creuznacher nach dem x-ten Netz- und/oder Kantenball Lewerentz’ nicht zu (9, -5, 9, -3, -4). Passiert. Allerdings konnte Creuznacher auch nicht an die Leistungen vom letzten Wochenende anknüpfen. Bei Pagel stand es 1:1 in den Sätzen und das Spiel war offen. Zwar lag er im Dritten mit 6:10 hinten, verkürzte aber in bester Pagelmanier auf 9:10 und ist on fire. Pagel greift wieder an, Böhm zittert den Ball zurück, setzt ihn auf die Netzkante und der Satz ist futsch. Danke Fortuna. Im Vierten war die Luft raus (-7, 4, -9, -5).
Die zwei Niederlagen in der Mitte setzten Wolf und Tesing unter Zugzwang. Tesing erledigte gegen Kleemann seine Aufgabe bravourös. Da gab es selten Momente, in denen Zweifel genährt wurden (6, 5, 7). Damit das Spiel zählen konnte, musste allerdings Wolf zuvor Lewerentz, Ha. besiegen. Wolf versuchte es mit Bedacht und das war auch eine gute Grundeinstellung. Lediglich die Erfolgsquote war mies. Und wenn mal die Vorhand durchkam, kam der Ball auch mal als Bogenlampe an die Tischkante zurück. Diese kleinen Genickbrecher platzierte Lewerentz, Ha. in den ersten beiden Sätzen zu psychologisch wichtigen Zeitpunkten. Darüber hinaus spielte der Ferdinandshofer Oldie sein Spiel clever herunter. Trotz Kniebeschwerden war der Kampfgeist schier unerlischbar. Erst im dritten Satz stimmte die Quote bei Wolfs Angriffsaktionen. Frühzeitig würgte Lewerentz, Ha. die Hoffnungen Wolfs und unseres Abschlussdoppels, Scheel / Schweitzer, im Verlauf des vierten Satzes ab. Es sollte halt nicht sein.
Text: Ulrich Creuznacher


