MV ist nicht genug. Der Norden auch nicht … oder: Südler glänzen bei Deutschen Meisterschaften
18. Juni 2019   By:    Turniere 2018/19   Comments are off

Unsere Süd-Asse präsentieren sich weiterhin auf bundesweiter Ebene in Top-Form. Nach René Graumann und Jason Hoffmann (Bronze), die bei den Deutschen Meisterschaften der Behinderten (11./12.4.)  auf dem Treppchen standen, René sogar ganz oben, gab es nun bei den nationalen Titelkämpfen der Senioren in Erfurt (8.-10.6.) durch Lieselotte Raese und ganz frisch, am letzten Wochenende bei den DM der Leistungsklassen (15./16.6.) erneut eine Goldmedaille durch das Duo Claudia Ahrens (Süd) und Maxi Langschwager (SV Nord-West Rostock) in der Klasse B (QTTR bis 1500). Da fragt man sich, wo die Reise noch hingehen soll. Na ja, der Kurs geht in die richtige Richtung. Einfach nur saugeil!

 

+++ Deutsche Meisterschaften der Senioren +++

In Thüringens Landeshauptstadt gelang unserer 85-jährigen „Lotti“ ein für Tischtennis-Sportler aus Mecklenburg-Vorpommern seltener Sprung aufs Treppchen. Sie gewann mit Hannelore Kaysser (Stuttgart) in der Altersklasse Ü80 Bronze im Doppel. Dabei war für die zweitälteste Teilnehmerin sogar noch mehr drin. Das Duo aus der Zweitältesten (Lotti) und der „Jüngsten“ unter den Ältesten (Kaysser, 79) spielte erstmals zusammen und führte im Halbfinale gegen Sigrid Matthias / Roswitha Bank bereits mit 2:0 in den Sätzen. Der vierte ging mit 9:11 verloren und bedeutete letztlich, dass die Chance auf Gold verflog. Mixed wurde nicht gespielt. Im Einzel lief es für Lotti gar nicht gut. Nach drei Niederlagen kam das frühe Vorrunden-Aus. Doch das trübte die Stimmung von MVs einziger Medaillengewinnerin überhaupt nicht.

Das, was Lotti gelang, lag auch Birgit Finger (AK 60) und Marion Geselle (AK 70) auf dem Schläger, sogar mehrfach. Doch am Ende fehlt zu oft das letzte Quäntchen.

Im Doppel mit Ellen Stöckel (TTC Berlin Neukölln) ging der entscheidende fünfte Satz gegen Hannelore Stowasser / Klaus Werz (TSV Holzheim / NSU Neckarsulm) mit 9:11 verloren und im Mixed mit Dr. Martin Powilleit (SV Nord-West Rostock) endete derselbe Satz gegen die späteren Sieger Almut Pigerl / Rosemarie Bartelt-Ludwig (SV DJK Holzbüttgen / TTG Niederkassel) mit 10:12. Im Einzel hatte der der rote Faden der knapp verlorenen Fünfsatzmatches begonnen. Auch wegen des 2:3 gegen Pigerl (9:11 im Fünften) verpasste Birgit mit 1:2 Spielen den Sprung in die Endrunde. Auch wenn es schwerfiel, nahm es Birgit positiv: „Eigentlich kann ich sehr zufrieden sein, aber wenn man so knapp davor steht, ist es etwas ärgerlich, vor allem im Doppel“, so die mehrfache Senioren-Landesmeisterin und schränkt ein: „Wenn man hört, was die anderen alle für Turniere spielen und wie oft die trainieren.“

Marion kam als Einzige über die Vorrunde hinaus und das sogar als Gruppenerste (2:1). Dank des besseren Satzverhältnisses ließ sie eine Mitfavoritin auf den Titel, Hannelore Dillenberger (TuS 1904 Himmighofen) mit eiskaltem Nervenkostüm im Regen stehen (9, 10, -4, 9). Hätte Marion verloren, wäre sie raus gewesen und Dillenberger wäre der späteren Siegerin Christel Locher (SC Eintracht Oberursel 1957) aus dem Weg gegangen (2:3 im Viertelfinale). Marion brachte das Freilos im Achtelfinale kein Glück. Sie verlor im Medaillenspiel gegen Vera Meyer (TTC Neuenfelde) in drei, wenn auch nicht chancenlosen, Sätzen (-9, -6, -9). Damit war der Medaillentraum von MVs erster und einziger Norddeutschen Einzel-Meisterin (2017) eine Runde zu früh beendet. Im Doppel war die Setzung ungünstig. Nach einem erneutem Freilos im Achtelfinale scheiterte unser 71-jähriges Schuss-Monster an den Topgesetzten Dillenberger / Locher (0:3).

Hier findet ihr alle Ergebnisse (MKTT-Online).

 

+++ Deutsche Meisterschaften der Leistungsklassen +++

„Für die Aktiven unter 2000 TTR-Punkten ist dieses Turnier der krönende Abschluss der Saison, das wichtigste Einzelturnier des Jahres“, war auf der Homepage des DTTB im Vorfeld zu lesen. Ein feiner Anlass dem Rest der Republik zu zeigen, dass auch in MV ein ordentlicher Ball gespielt wird. Im niedersächsischen Dinklage war es soweit und Claudia und Maxi gewannen sensationell die Goldmedaille in der zweithöchsten Leistungsklasse B. Gegen namhafte Konkurrenz aus dem gesamten Bundesgebiet gewannen sie alle Spiele hochverdient. Lediglich in der Vorschlussrunde gegen Pia Hallmann  und Vanessa Hartl (Bayern) war der größte Brocken aus dem Weg zu räumen. Einen 1:2-Rückstand drehten die Süd-Nord-West-Kombination (fast alle Himmelsrichtungen vertreten) noch zu einem 3:2-Sieg. Im Finale „lief es wie geschmiert“, meinte Coach Lothar Rönsch, der auch mit über 80 Jahren an der Box stand und das Zwei-Generationen-Doppel zum 3:0-Finalsieg „dirigierte“.

Für Maxi, die (immer) noch erst 13 Jahre alt ist (!) war es der bislang größte Titelgewinn während Claudia sich nun schon zum dritten Mal (!) „Deutsche Meisterin“ nennen darf. Die heute 34-Jährige wurde mit dem Post SV Rostock Süd (2002 mit dem TSV Süd fusioniert) jeweils 1999 und 2001 Deutscher Mannschaftsmeister (U17). Für die Hansestadt Rostock ist der DM-Triumph ein Novum und ein „Indiz für die gute Zusammenarbeit zwischen den besten Vereinen der Stadt bei der individuellen Talentförderung“, betont Süd-Spartenleiter Ulrich Creuznacher.

Auch in der Einzelkonkurrenz „war was drin“, meinte Maxi. Für beide kam das Aus im Viertelfinale, nachdem sie sich unisono mit einer 2:1-Spielbilanz für die K.o.-Runde qualifizierten. (Mal wieder) am dramatischsten wurde es bei maxi, die sich der Turnierfavoritin und auch späteren Siegerin Stefanie Burgdorf (TTF Bönen) nach einer 45-minütigen Nervenschlacht und einer 2:0-Satzführung doch noch mit 2:3 geschlagen geben musste. Die Tränen dieser Niederlage waren dann mit der Goldmedaille im Doppel aber schnell getrocknet. Claudia verlor indes nach gewonnenem ersten Satz gegen Saskia Hamel (TSV Herrlingen).

Hier geht’s zum Nachbericht seitens des DTTB und zu den Ergebnissen.

Text: Ulrich Creuznacher und Arvid Langschwager
Fotos: Rajko Grawert
Collage: Ulrich Creuznacher